Nur ein Lied
"Erstes Lied"
Meine Mutter verstarb als ich 30 Jahre alt war und mein Vater bekam ein Jahr darauf einen Schlaganfall. Die Folge davon war, dass er halbseitig gelähmt war. Insgesamt war er elf Jahre pflegebedürftig. Zuletzt hatte er einen Oberschenkelhalsbruch, von dem er sich nicht mehr erholte. Er gab sich einfach auf und ich kam mit ihm und der Pflege nicht mehr zurecht. Zuletzt war ich total ausgepowert. Mein Urlaub und meine Überstunden waren aufgebraucht und schweren Herzens meldete ich ihn im Altersheim an. Es gab einen Platz mit zwei Monaten Wartezeit.
Meine Tochter war damals Christ und ich bemerkte an ihr eine Veränderung. Sie hatte etwas, was ich nicht hatte. Eines Nachts lag ich im Bett und ich spürte jeden einzelnen Knochen in mir ich sah einfach keinen Weg mehr. Da schrie ich einfach zum Himmel: Wenn es dich gibt dort oben gibt dann hilf mir jetzt! Zuerst bekam ich den Psalm 23: „Der Herr ist mein Hirte mir wird nichts mangeln.“ Ich kannte damals nicht viel Bibelworte, aber das kannte ich noch vom Kindergarten und der Konfizeit. Dann hörte ich noch: Lass deinen Vater gehen, du bekommst einen noch besseren Vater. Ich wusste damals noch nicht, dass man Gottes Stimme hören kann (und dass es einen Notruf bei ihm gab) aber ich wachte auf und spürte eine Veränderung an mir. Ich war einfach gefestigt und konnte meinen Vater loslassen.
Ich entschied mich diesen Prozess mit ihm durch zugehen. Ich musste zuschauen wie er abnahm und Wasser in seinen Körper kam. Aber trotzdem war da dieses „du bekommst noch einen besseren Vater, lass ihn gehen.“
Er kämpfte noch drei Tage und verstarb dann Sonntagsabends, als ich mit ihm allein war. Ich stand am Bett hielt seine Hand und betete das Vaterunser.
Nachdem die Beerdigung vorbei und Ruhe eingekehrt war, machte ich mich auf den Weg in Richtung Kirche, schließlich hatte ich ja meine Antwort bekommen und irgendwas war passiert in der Nacht und es musste mehr geben als ich im Moment begreifen konnte. Ich ging in die evangelische Kirche, aber es war einfach so, wie ich es noch in Erinnerung hatte. Da saßen Menschen mit ernsten Gesichtern und niemand schien zu merken, dass ich da war. Ich ging zur FeG (Freie evangelische Gemeinde) im Nachbarort - auch länger - aber auch da fand ich nicht was ich suchte.
Meine Tochter nahm mich mit ins ihre Gemeinde in Karlsruhe. Dort war es anfangs ungewöhnlich neu, aber es zog mich immer wieder hin. Die Menschen waren nett und freundlich und man spürte die Liebe untereinander. Eines Tages waren Mädels da vom Heim und sangen ein Lied mit dem Titel „Kannst du mit vergeben wenn ich siebenmal gesündigt hab“. Mir wurde bewusst, dass ich ein Sünder bin und mich Gott trotzdem annimmt; mir liefen die Tränen. Später im Lobpreis kam das Lied „Komm, jetzt ist die Zeit, wir beten an - gib ihm dein Herz“. Und mein Herz klopfte so arg dass ich dachte es springt gleich raus. Es waren zwar Leute vorne zum Gebet aber ich traute mich nicht vor.
Während der Woche hörte ich daheim von meiner Tochter eine Lobpreis-CD. Da kam wieder das Lied und auch die Tränen.
Ich ging in meinem Wohnzimmer auf den Boden und sagte einfach „ok, da hast du mich, nimm mein Herz“.
Das war der Anfang - Jesus war in mein Herz und mein Leben gekommen. Doch danach ging es erst los. Mein Mann war noch nicht bekehrt. Ich fing an zu beten für ihn, und der Herr lenkte meine Gebete, gab mir Bibelworte und Weisung. Nach zwei Jahren bekehrte er sich auf für mich unvorstellbare Weise. Ich konnte nur staunen über Gottes Pläne und Führung. 2004 ließen wir uns beide als Ehepaar von unserem damaligen Pastor während einer Israelreise taufen und gehören seitdem zusammen zu der Gemeinde Treffpunkt Leben. Mittlerweile durfte ich mich im Küchenbereich, Alphakursen, Newcomerteam und im Gebet einbringen.
"Zweites Lied"
Einmal kramten wir in alten Schallplatten. Mir kam eine Platte in die Hand, deren Umschlag mir bekannt vorkam. Ich legte sie auf. Darauf war ein Lied, bei dem es hieß „Ich bin ein Königskind und hab es nicht verdient“. Oft hatte ich die Platte gehört und mir wurde klar, dass Gott mir schon in der Kinderzeit nachgelaufen ist. Auch die Erinnerung von einer Ferienfreizeit, die ich von den Liebenzellern mitmachen durfte, kam wieder. Ich wusste wieder, dass ich damals fast mein Leben Jesus übergeben hätte. Aber ich tat es nicht. So musste er noch lange auf mich warten und ich verschenkte kostbare Jahre. Mir kamen Momente meines Lebens ins Gedächtnis, die schlimmer hätten ausgehen können und ich begriff, dass es alles nur seine Bewahrung war. Wie ein Film lief mein Leben vor meinen Augen ab. Es war ein Lied und die ganzen Erinnerungen waren wieder wach. Und ich danke meinem Gott, dass er so oft seine Hand über mich und unter mich gehalten hat.
"Drittes Lied"
Im Moment betreue ich eine Demenzkranke Frau. Einmal war sie so richtig geknickt. Ich fing an innerlich zu beten und auf einmal kam mir ein Lied in den Sinn und ich fing an es zu summen. Es ging einfach nicht mehr weg und dann kam auch der Text. Lobe den Herrn meine Seele und seinen heiligen Namen. Da fing ich an zu singen und nach kurzer Zeit sang sie mit. Sie kannte es und es tat ihrer Seele gut. Für mich war es neu jemand auf diese Art aufzuheitern und sie hatte schon ewig nicht mehr ein Lied über ihre Lippen gebracht. Wir sangen und wiederholten es und ihre Verfassung änderte sich und die Atmosphäre auch. Als ich ging war sie bei bester Laune.
Dank sei Gott, dass er auf so viele Arten redet, tröstet, überführt und spricht. Und wenn wir auf seine Stimme hören und gehorsam sind uns reich beschenkt.
Ingrid