Di
01
Feb
2011
Wachstum
Ich bin groß gewachsen. Ein Meter neunzig. Das gefällt mir. Manchmal aber stört mich meine Größe. Dann zum Beispiel, wenn ich wieder mal feststelle, dass Jeans in Norm-Länge an meinen Beinen zu Hochwasser führen. Diese Probleme kennt Simone, meine Frau, nicht. Dafür ruft sie mich zu Hilfe, wenn sie mal wieder die Saftpresse aus dem obersten Fach des Küchenschranks holen will. Das mit dem Wachsen ist so eine Sache: Kindern, die nicht oder nur wenig wachsen, geben wir Hormone, damit sie größer werden. Und Erwachsene, die meinen, sie seien zu klein gewachsen, helfen oft durch die Absätze ihrer Schuhe ein wenig nach.
Wachsen – das ist auch etwas, was uns im Gemeindeleben beschäftigt. In der Gemeindeleitung und auch bei Leitertreffen war das Wachsen in den vergangenen Monaten immer wieder Thema. Ich behaupte dazu: Es war deswegen Thema, weil es auf Gottes Agenda für uns als Treffpunkt Leben Gemeinde steht. Und genau deswegen sehen wir das Wachsen als Vision und als Überschrift für das Jahr 2011.
Nun ist das mit dem Wachsen auch in der Gemeinde so eine Sache: Wachsen wird mit Größe verbunden. Man redet vom Wachstum einer Gemeinde, wenn sie größer wird. Bei Treffpunkt Leben dagegen haben sich im vergangenen Jahr einige Mitglieder verabschiedet, nur wenige sind dazugekommen. Wollen wir nun also auch Wachstumshormone für die Gemeinde nehmen oder durch hohe Absätze ein bisschen mogeln?
Wachsen, so wie wir es für die Gemeinde verstehen, hat andere Dimensionen.
Wachsen – Reich Gottes breitet sich aus
Wenn Jesus vom Reich Gottes spricht, meint er alles, was mit dem Einflussbereich, mit der Herrschaft Gottes zu tun hat. Dabei geht es im Wesentlichen um unsere Gesellschaft, unsere Umgebung, unser Arbeitsplatz, die Schule, die Uni, unser Wohnort, unser Zuhause: hier soll Gott mehr Raum gewinnen, hier soll Jesus Christus greifbar, spürbar, erlebbar werden. Eine Gemeinde, die diese Dimension des Wachsens nicht im Blick hat, lebt an ihrem Kernauftrag vorbei. Natürlich werden dann früher oder später auch weitere Menschen zur Gemeinde dazukommen – aber das ist die Folge dieser Art von Wachstum, nicht das erste Ziel des Wachstums.
Wachsen – Reifen
Die Natur macht es uns vor: Wenn am Baum Früchte wachsen, achten wir nicht in erster Linie auf die Größe, sondern auf die Reife. Wenn bei uns als Menschen das Gute wächst, heißt das: wir reifen. Das konkret wünsche ich uns im neuen Jahr: Dass unser Glaube reift. Dass er mündiger wird, erwachsener. Dass Stürme ihn nicht so leicht erschüttern können. Und ich wünsche uns, dass unser Charakter reift. Dass eine Frucht, die aus Frieden, Freundlichkeit, Liebe, Geduld und Besonnenheit besteht, an uns genossen werden kann. Im Glauben und im Charakter zu reifen – das zusammen genommen ist das, was Insider immer wieder mit “geistlich wachsen” beschreiben.
Letzten Endes wissen wir: der Wachstumsgeber ist Jesus Christus selbst. Er ist die treibende Kraft hinter dieser Art von Wachstum. Und gleichzeitig kommt es auf uns an, inwieweit wir uns dieser Kraft ausliefern, und inwieweit wir diese Wachstums- und Reifeprozesse suchen. Auch im Gemeindeleben werden wir dazu auch das eine oder andere Angebot schaffen.
Ich bin sehr gespannt, wo wir am Ende des Jahres in unserem Wachstumsprozess stehen werden – und ich freue mich jetzt schon auf die Auswertung am Ende des Jahres. Denn ich weiß, dass viele von uns sich diese Art von Wachsen sehnlich wünschen. Und ich weiß, dass Gott solche Wünsche nicht unbeantwortet lässt.
Ulrich Siegrist
Treffpunkt Leben Karlsruhe